Location: Region Kulmasa in Ghana

Anna Dengels Schwestern gründen wieder ein Spital

Missionsärztliche Schwestern errichten in ärmster Region Ghanas eine „Family Clinic“ – Unterstützung für integriertes Gesundheitsprojekt kommt aus Österreich durch Freunde Anna Dengel und Jugend Eine Welt.

Ein kleiner Mango-Baum. Dieser ragt seit kurzem auf einem weitläufigen Areal in der kleinen Stadt Kulmasa aus der Erde. Der Baum symbolisiert den Baustart für die „Family Clinic“ der Missionsärztlichen Schwestern, die hier im Sawla-Tuna-Kalba Distrikt im Norden der afrikanischen Republik Ghana in den nächsten Jahren entstehen wird. Eine von der Bevölkerung sehnsüchtig erwartete Einrichtung, denn im ganzen Distrikt gibt es derzeit keinen einzigen ständig anwesenden Arzt oder Ärztin. Tatkräftig unterstützt wird dieses integrierte Gesundheitsprojekt der Schwestern (MMS, Medical Mission Sisters) vom österreichischen Verein „Freunde Anna Dengel“ in Kooperation mit der Hilfsorganisation Jugend Eine Welt.

Beim Pflanzen des Mangobaumes: Bischof Peter Paul Angkyier mit Gesundheitsdirektor Dr. Chrysantus Kubio und der Ordensoberin Schwester Christine Osei MMS

Gepflanzt wurde der Baum jüngst vom katholischen Bischof der Diözese Damongo, Peter Paul Angkyier, gemeinsam mit dem Regionaldirektor der ghanaischen Gesundheitsbehörden, Chrysantus Kubio, und der Oberin der Missionsärztlichen Schwester in Ghana, Catherin Osei. Umringt wurde das Trio bei dieser kleinen Feier von vielen Einwohnern Kulmasas sowie örtlichen Würdenträgern.

Arme Region ohne Ärzte

„Das Wort Clinic bedeutet in Ghana eigentlich eine Gesundheitsstation mit Arzt“, erklärt der von Jugend Eine Welt entsandte Mitarbeiter Martin Wilde. Er unterstützt vor Ort MMS-Schwester Rita Amponsaa-Owusu, die als Projektleiterin bereits seit Herbst 2020 mit einer Mitschwestern in einer provisorischen Unterkunft in Kulmasa weilt. Die MMS – die 1925 von der Tiroler Ärztin und Sozialpionierin Anna Dengel gegründet worden sind – sind seit 1948 in Ghana vertreten und haben damals in den Städten Berekum und Techiman jeweils ein Krankenhaus samt Krankenschwesternschulen aufgebaut. Die Trägerschaft der Spitäler wurde Jahre später die jeweilige Diözese übertragen.

Bischof Peter Paul Angkyier von Dmongo im Gespräch mit Projektleiterin Schwester Rita Amponsa-Owusu MMS (l.), Ortspfarrer Theodolus Tanti und Ordensoberin Schwester Christine Osei

Die Idee, sich auch in ländlichen und medizinisch unterversorgten Regionen Ghanas zu engagieren, hatten die MMS bereits vor einiger Zeit. „Wir haben lange einen geeigneten Standort für diese neue Mission gesucht“, erinnert sich Schwester Rita. Die Wahl fiel letztlich auf Kulmasa: die Region zählt zu den ärmsten des ganzen Landes. Die Bevölkerung gehört mehrheitlich ethnischen Minderheiten an, die teilweise noch ihre traditionellen afrikanischen Religionen praktizieren. Größte Religionsgruppe sind die Muslime, die Anzahl der Christen wächst jedoch und seit 2014 gibt es eine eigene katholische Pfarrei. Die Menschen hier leben überwiegend von der Landwirtschaft, die angesichts der kurzen Regen- und langen Trockenzeit wenig ertragreich ist. Außer der Hauptstraße gibt es in Kulmasa und seinen umliegenden 54 Dörfern keine einzige asphaltierte Straße. „Und das nächste Krankenhaus mit Arzt ist gut 50 Kilometer entfernt“, so Wilde.

Local Chiefs schenkten Grundstück

Wie groß das Bedürfnis der Menschen nach einer dauerhaften Gesundheitsfürsorge ist, zeigt sich an der großzügigen Geste der lokalen Chiefs: das Grundstück für das Spital samt Nebeneinrichtungen wurde den Schwestern geschenkt. „Damit es schnell errichtet werden kann“, sagte Kulmasawura Ababio Jamani, Chief von Kulmasa. Der Muslim dankte ganz besonders Bischof Angkyier sowie dem Ortspfarrer für das Engagement der katholischen Kirche, die Missionsärztlichen Schwestern nach Kulmasa gebracht zu haben.

Die lokalen Würdenträger (Chiefs) bei der Feier zum Baustart der Klinik.

„Wir verbinden hier moderne kurative Medizin mit einem umfangreichen Public Health Programm zur Vorsorge, Aufklärung und Bildung bis in die entlegensten Dörfer“, erklärt Ordensoberin Catherin Osei. Ein ganzheitlicher Ansatz, ganz im Sinne der Gründerin der MMS-Gemeinschaft Anna Dengel. Im Zentrum des integrierten Gesundheitsprojektes steht der Bau der „Family Clinic“ mit Geburtsstation, Mutter-und-Kind-Zimmer, kleinem Operationssaal, Labor, Apotheke sowie einem Ambulanzauto. Die Clinic ist besonders zur Versorgung von Schwangeren sowie Müttern und ihren Kindern gedacht, steht aber allen Menschen in der Umgebung offen. Die „Gesundheitsstation mit Arzt“ soll ab 2023 in Betrieb gehen. In der nun beginnenden ersten Projektphase tourt ein mobiles Gesundheitsteam durch Kulmasa und die Dörfer. Das Team – geleitet von der Apothekerin Schwester Rita – bietet ambulante Behandlungen, Vorsorgeuntersuchungen, Aufklärung (etwa Hygiene) und Ernährungsberatung für Schwangere und kleine Kinder.

Neben Klinik und Public Health Programm richten die Schwestern eine kleine Farm ein. Bauern sollen hier in umweltfreundlichen und nachhaltigen landwirtschaftlichen Methoden unterrichtet werden. Besonderes Augenmerk legen die MMS zudem auf das „Empowerment“ von Mädchen und junge Frauen: deren Bildung und Persönlichkeitsentwicklung soll gezielt gefördert werden. Catherin Osei zitiert dafür gerne den ghanaischen Bildungspionier James E. K. Aggrey: „Bildest Du einen Mann aus, bildest Du eine einzelne Person. Bildest Du eine Frau aus, bildest Du eine ganze Nation.“

Tanzende Jugend zur Eröffnung der Feier

Hilfe aus Österreich

„Mutter Anna Dengel hätte mit diesem ganzheitlichen Projekt für alle Menschen, ungeachtet ihrer ethischen und religiösen Herkunft, sicher die hellste Freude gehabt“, meint Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend Eine Welt und Obmann des vor knapp zehn Jahren gegründeten Vereins „Freunde Anna Dengel“. Dieser hat es sich zum Ziel gesetzt, das Andenken an Leben und Werk der Ärztin und Sozialpionierin Anna Dengel aufrecht zu erhalten und die aktuelle Arbeit der Missionsärztlichen Schwestern zu unterstützen. Heiserer: „Wir fördern deshalb gemeinsam alle Etappen dieses Projektes – SpenderInnen und FinanzierungspartnerInnen sind jederzeit herzlich willkommen!“

ORF-Bericht über das Klinik-Projekt der Missionsärztlichen Schwestern

Reinhard Heiserer – Jugend Eine Welt Geschäftsführer und Obmann des Vereins Freunde Anna Dengel – besuchte im Frühjahr 2022 gemeinsam mit ORF-Journalist Zoran Dobric die Missionsärztlichen Schwestern in Kulmasa. Sein Bericht mit dem Titel "Initiative in Ghana: Drei Missionsärztliche Schwestern gründen eine Klinik" wurde in der ORF-Sendung Orientierung am 19.Juni 2022 ausgestrahlt und lässt sich über unseren YouTube-Channel nachsehen (rechts)

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