Preisvergabe in Berlin

 

Auszeichnung für Schwester Rita Schiffer vom Attat-Spital in Äthiopien

 

 

Freudige Gesichter gab es am Abend des 14. Oktobers in einem der großen Säle im Veranstaltungszentrum KOSMOS in Berlin. Genau hier wurde an diesem Abend der Else Kröner-Fresenius Preis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit 2022 offiziell an die Missionsärztliche Schwester Dr. Rita Schiffer,  Gynäkologin und Ärztliche Leiterin des Attat Hospitals in Äthiopien, überreicht.

Die Freunde Anna Dengel haben gemeinsam mit Jugend Eine Welt Sr. Rita Schiffer für diesen mit 100.000 Euro dotierten Preis bei der Else Kröner Fresenius Stiftung (EKFS) nominiert. Mit dabei bei der Preisverleihung waren MMS-Sr. Rita Amponsaa-Owusu aus Ghana, FAD-Obmann und Jugend Eine Welt-Geschäftsführer Reinhard Heiserer sowie die Mitarbeiter von Jugend Eine Welt, Wilma Neureiter-Schneider und Gabriel Müller. Die Verleihung fand in Zusammenarbeit mit dem deutschen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und in Verbindung mit der 1. Internationalen Konferenz der Klinikpartnerschaften in Berlin statt.

Humanitärer Preis der Stiftung

Sr. Rita Schiffer (li.) mit Sr. Rita Amponsaa-Owusu
Sr. Rita Schiffer (li.) mit Sr. Rita Amponsaa-Owusu

Der Else Kröner Fresenius Preis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit wurde an Sr. Rita für das Projekt „Nachhaltige chirurgische Versorgung in Attat“ vergeben. Mit 100.000 Euro ist er einer der wichtigsten und höchstdotierten Preise im Bereich der medizinischen Entwicklungszusammenarbeit.

Der humanitäre Preis wird einmal jährlich für besondere Leistungen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit verliehen. Gewürdigt werden Projekte weltweit, die auf herausragende Art und Weise der Verbesserung der Gesundheitsversorgung dienen. Das Preisträgergeld wird unmittelbar für die Projekte verwendet. Der humanitäre Preis wird jedes Jahr zu einem anderen Themenschwerpunkt ausgeschrieben.

Die gemeinnützige Else Kröner-Fresenius Stiftung widmet sich der Förderung medizinischer Forschung und unterstützt humanitäre Projekte. Sie verfügt über das größte Stiftungsvermögen aller gemeinnützigen Stiftungen in Deutschland. Dr. Jochen Bitzer, zuständig für die humanitäre Förderung der EKFS, begründet die Wahl der diesjährigen Preisträgerin so: „Mit der Vergabe unseres humanitären Preises würdigen wir in diesem Jahr ein Projekt, das langfristig ausgelegt ist. In einer ländlichen Region wird eine dauerhafte chirurgische Basisversorgung für Notfälle im geburtshilflichen und gynäkologischen Bereich bereitgestellt.“

Über das Attat-Spital

Das Krankenhaus in Attat – rund 180 Kilometer südwestlich von der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba gelegen – wurde 1969 noch von Mutter Anna Dengel selbst gegründet. Nach dem Start in einem alten, damals leerstehenden Schulgebäude, ausgestattet mit ein paar Matratzen und einfachsten Mitteln, wurde das Spital über die Jahre auf- und ausgebaut und zur wichtige Anlaufstelle für die Menschen in dieser ländlichen Region. 

Heute kommen täglich durchschnittlich 370 Personen in die Krankenhaus Ambulanz. Der Hauptgrund sind Probleme bei Schwangerschaften und Geburten, Infektionserkrankungen, Malaria sowie akute Erkrankungen, die operativer Eingriffe benötigen. (Mehr Info über Attat auf unserer Projektseite).

In den letzten Jahren ist Attat auch zu einem wichtigen Aus- und Weiterbildungszentrum für medizinisches Personal geworden. „Im Rahmen einer nachhaltigen chirurgischen Versorgung legen wir einen besonderen Fokus auf die Aus- und Weiterbildung von medizinischem Personal“, erläutert die nunmehrige  EKFS-Preisträgerin Sr. Rita Schiffer. Studierende von Krankenpflege- und Hebammenschulen und angehende Ärztinnen und Ärzte absolvieren in Attat ihre praktische Ausbildung, um notfallchirurgische und gynäkologische Eingriffe, inklusive Kaiserschnitte, durchführen zu können. „Dieses Ausbildungsprogramm ist für die Erstversorgungskrankenhäuser in den ländlichen Regionen von enormer Bedeutung. Nur so kann Patientinnen und Patienten in entlegenen Gegenden eine langfristige notfallchirurgische Versorgung garantiert werden“, betont Sr. Rita Schiffer.

Langjährige Unterstützung durch FAD

Das Krankenhaus wird seit einigen Jahren von den Freunden Anna Dengel und mittlerweile auch Jugend Eine Welt unterstützt. „Neben vielfältiger Vernetzungsarbeiten und kleineren Hilfen standen in den letzten Jahren strategische Förderfragen im Mittelpunkt. Analysen von auf Krankenhausmodernisierung spezialisiertem Fachpersonal sowie Fördergeberrecherchen hielten uns auf Trab. Der größte Erfolg ist wohl die Auswahl dieses Projektes und der Leiterin Dr. Rita Schiffer als Preisträgerin 2022“, so Reinhard Heiserer.

Sein größter Wunsch wäre es, dass Sr. Rita und das Krankenhaus Attat einen Zugang zu gesicherter Versorgung mit Medizinprodukten und medizinischem Verbrauchsmaterial in Äthiopien selbst bekommen würden. Heiserer: „Leider ist für manche Produkte die lokale Versorgungslage sehr schlecht und oft muss improvisiert werden. Es ist schade, dass das staatliche Gesundheitswesen in Äthiopien nur bedingt die gesetzten Erwartungen erfüllt.“

Ein ausführlicheres Interview mit Sr. Rita Schiffer und Reinhard Heiserer gibt es auf der EKFS-Website

Ein zuvor in Wien geführtes Gespräch von Radio Klassik mit Sr. Rita Schiffer gibt es hier zum Nachhören

Über Sr. Rita Schiffer und ihre Arbeit im Attat-Hospital wurde anlässlich der Preisvergabe auch ein eigener Film gedreht. Er ist hier zu sehen: 

Mit Reinhard Heiserer (li., FAD & JEW), Dr. Jochen Bitzer (EKFS), Sr. Rita Amponsaa-Owusu aus Ghana und Gabriel Müller (JEW)