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Holzstatue von Anna Dengel

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    Mutter Teresa von Kalkutta, die neue Heilige der katholischen Kirche, war Schülerin von Anna Dengel

      25. August 2016 - Für viele war sie es schon zu Lebzeiten - eine Heilige. Am 4. September 2016 wurde Mutter Teresa von Kalkutta (1910-1997) - Ordensgründerin und Friedensnobelpreisträgerin - heilig gesprochen. Papst Franziskus leitete persönlich die Heiligsprechungsfeier auf dem Petersplatz in Rom. Die Feier gilt als einer der Höhepunkte des diesejährigen "Heiligen Jahr der Barmherzigkeit". Sie fand am Tag vor dem offiziellen Gedenktag der neuen Heiligen am 5. September statt, der zugleich auch der Todestag von Mutter Teresa ist.

      Für Reinhard Heiserer, Obmann des Vereins Freunde Anna Dengel, bietet die Heiligsprechung Mutter Teresas - Gründerin des Ordens der "Missionarinnen der Nächstenliebe" - gleich auch die Möglichkeit, an die österreichische Ärztin und Ordensgründerin der Missionsärztlichen Schwestern (MMS), Anna Dengel (1892 - 1980), zu erinnern: "Denn was viele nicht wissen - die beiden Frauen haben sich und ihre jeweiligen Ordensgemeinschaften gekannt. Sie haben auf ihre je eigene und unterschiedliche Art einen wesentlichen Beitrag für den kirchlichen medizinischen sowie pflegenden Dienst an den Armen geleistet."

      Ermahnung per Brief
      Die Wiener Autorin Ingeborg Schödl, Verfasserin des Buches "Das Unmögliche wagen, Anna Dengel: Ärztin, Missionarin, Ordensgründerin", führt dazu aus: "Zwischen Mutter Teresa und der Tiroler Missionarin und Ärztin Anna Dengel, gab es eine langjährige Verbindung". Mutter Teresa absolvierte 1948, bevor sie mit ihrer Gemeinschaft die Arbeit in den Slums von Kalkutta aufnahm, eine Ausbildung in Krankenpflege in Patna ( Indien) in der Krankenschwesternschule des dritten von Anna Dengel gegründeten "Holy Family Hospitals".

      Brieflicher Kontakt bestand über Jahre hinweg zwischen den beiden Frauen. Schödl: "So forderte Anna Dengel einmal etwas energisch Mutter Teresa auf, sich auch um gute Arbeitsbedingungen ihrer Schwestern zu bemühen, denn diese, von denen härteste Arbeit gefordert wird, brauchen auch eine ausreichende Ernährung. Sie können daher nicht, wie sie gehört habe, nur von Reis leben, dem bengalischen Essen der Armen". Mutter Teresa nahm den Rat der "Kollegin" an.

      Als Anna Dengel nach einem Schlaganfall in Rom im Krankenhaus lag, erhielt sie Besuch von Mutter Teresa und freute sich sehr. Sie bat Mutter Teresa, ihr nach indischer Sitte zum Zeichen des geistigen Vermächtnisses die Hände auf das Haupt zu legen.

      Unbeirrbares Engagement
      Anna Dengel gelang es, dass das 700 Jahre bestehende kirchenrechtliche Verbot, wonach Ordensfrauen nicht medizinisch tätig sein durften, 1936 aufgehoben wurde. Ihr Ziel war, die Stellung der Frau und deren Gesundheitsbewusstsein in den Ländern des Südens zu verändern. Mutter Teresa wollte in der kompromisslosen Nachfolge Jesu den Armen, Ausgestoßenen und Sterbenden beistehen und ihnen Hilfe in ihrer ausweglos scheinenden Situation bieten. Beide Frauen gründeten mit ihrem unbeirrbaren Engagement Gemeinschaften nach ihren Zielvorstellungen, deren Mitglieder heute weltweit tätig sind.

      Größtes Geschenk
      "Mutter Teresa ging zunächst für einige Monate zu den Missionsärztlichen Schwestern nach Patna, um eine kurze Einführung in die Krankenpflege zu erhalten", berichtet auch der Tiroler Arzt und Autor Hans Peter Rhomberg. Später sei es in Indien oft zu einem Zusammenarbeiten der Mitglieder beider Ordensgemeinschaften gekommen. Wobei die Schwestern Mutter Teresas die Kranken, die sie auf den Straßen aufgelesen hatten, in die Spitäler der Missionsärztlichen Schwestern brachten.

      In einem TV-Interview in Rom, das Mutter Teresa Hans Peter Rhomberg 1985 gewährte, sagte diese: "Die Arbeit die Anna Dengel und ihre Schwestern in Indien vollbrachten ist das größte Geschenk an dieses Land. Denn bis zu ihrer Zeit haben Nonnen sich niemals auf rein medizinische Aufgabengebiete konzentriert. Das Volk hat von den Schwestern Anna Dengels und somit letztlich von ihr gelernt, wie man Kranke pflegt. Unsere beiden Kongregationen sind sich in ihrer Aufgabenstellung sehr nahe. Es ist "Love in Action " (Nächstenliebe in Aktion). Und so wurde ich, wenn sie wollen, beeinflußt, als ich damals in Patna sah, wie sich die Schwestern in ihren Spitälern um die Kranken und Sterbenden sorgten. Das war für mich ein lebendiges Beispiel dafür, was wir für die Ärmsten tun sollten. Und so lernte ich von Ihnen dies mit Liebe und Hingabe zu tun. Denn Jesus sagt "Liebet einander, wie Gott jeden von euch liebt". Es ist ein wunderbares Geschenk Gottes den Kranken und Sterbenden dienen zu dürfen. Anna Dengel hat gerade dieses Geschenk Gottes in die Kirche eingebracht."